Äffchen antworten: Wieso gibt es so viele von diesen Evolutionstheorien?

Frage:

Warum gibt es soviele von diesen Evo-Theorien? =)
Wikipedia: Evolutionstheorie#Liste_der_Evolutionstheorien

Quelle: http://www.allmystery.de/themen/rs3448-1604

Die verschiedenen Evolutionstheorien sind Versuche den Fakt der Evolution zu beschreiben.

Spätestens seit wir im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert begannen die Natur systematisch zu erforschen und zu beschreiben, wurde es offensichtlich, dass das Leben auf der Erde stetigen Veränderungen unterworfen ist.

Der erste Versuch das zu erklären, war der Katastrophismus. Hierbei wurde die wiederholte Vernichtung von und Neubesiedlung mit Leben durch riesige Naturkatastrophen (oft wurde die biblische Sintflut vermutet) angenommen. Da man heraus fand, dass solche Katastrophen nicht zu den vorgefundenen Verhältnissen passen, gilt diese Hypothese heute als alleiniger Grund für die Artenvielfalt als widerlegt.

Der nächste Erklärungsversuch war die Lamarksche Evolutionstheorie. Hierbei wurde davon ausgegangen, dass Lebewesen anerworbene Merkmale an ihre Nachkommen weitergeben können. Als Beispiel wird gerne eine kurzhalsige Giraffe genannt, deren Hals durch Recken zu höher hängenden Blättern etwas länger wird. Das wird dann an die Nachkommen weiter gegeben, die sich nun noch ein wenig höher recken und nach einigen Generationen hat man dann langhalsige Giraffen.
Da man nachweisen kann, dass Lebewesen anerworbene Merkmale nicht fest weiter vererben können (wenn man z.B. einer Maus ihren Schwanz abschneidet haben ihre Kinder trotzdem wieder Schwänze), gilt auch der Lamarkismus als widerlegt.

Da diese beiden Hypothesen als widerlegt gelten, steht im Wikiartikel auch „historisch“ dahinter.

Als nächstes kam dann Darwins Evolutionstheorie. Er erklärte erstmals die Evolution als Zusammenspiel von Veränderung (Mutation) und Auslese (Selektion). Dieses scheinen wirklich die stärksten Faktoren für Evolution zu sein. Darwins Theorie ist nicht widerlegt. Jedoch ist sie in vieler Hinsicht unzulänglich. Z.B. ist sie eher Beschreibend als Quantifizierend.

In der Folge wurde Darwins Evolutionstheorie mit anderen Theorien vereint. So entstand aus einer Vereinigung der Darwinschen Evolutionstheorie mit der Populationsdynamik und der Mendelschen Genetik (und später dann der Molekulargenetik) die synthetische Evolutionstheorie, die heute state of the art ist und uns auch erlaubt evolutionäre Prozesse mathematisch zu beschreiben und zu modellieren.

Bei den beiden anderen Evolutionstheorien die aufgeführt sind, wird die ganze Sache von einem anderen Blickwinkel betrachtet. Sie sind also Versuche die synthetische Evolutionstheorie zu erweitern um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Evolution

4 Antworten zu “Äffchen antworten: Wieso gibt es so viele von diesen Evolutionstheorien?

  1. El Schwalmo

    Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass die Synthetische Theorie der Evolution zwar von 1949 bis etwa 1972 Standard war, aber diesen Status längst verloren hat. Neuere Entwicklungen werden vermutlich dafür sorgen, dass diese Theorie ein Spezialfall einer umfassenderen Theorie wird.

    Ist in den Naturwissenschaften nicht unüblich. In der Physik wurde ja auch die Newton-Mechanik zum Spezialfall der relativistischen.

    Meiner Meinung nach ist es ein Fehler, anstelle von ‚Evolutionstheorie‘ Begriffe zu verwenden, die ‚Darwin‘ enthalten, also beispielsweis ‚Darwninismus‘, ‚Neo-Darwinismus‘ oder sonstwas. Das machen Kreationisten bevorzugt, denn dann können sie darauf hinweisen, was Darwin (und auch seine direkten Nachfolger, vor allem Dawkins, der darwinistischer ist als Darwin) falsch gesehen oder nicht beachtet haben.

    Der Pluralismus an Evolutionstheorien ist ein deutliches Zeichen für eine im Fortschritt begriffene Wissenschaft. Aufbauend auf der Tatsache, dass eine Evolution stattgefunden hat (hier ist der Fossilbefund einfach erdrückend) und der extrem plausiblen Hypothese, dass die Lebewesen miteinander verwandt sind (‚Deszendenzlehre‘, auch hier gibt es eine Fülle von Belegen), streitet man sich wacker über konkrete Mechanismen, welche die Evolution bewirken. Hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Leider wissen wir in vielen Bereichen noch zu wenig. Interessant in diesem Kontext ist natürlich, dass die Vertreter der Synthetischen Theorie der Evolution behaupteten, dass die Mechanismen der Evolution ‚im Prinzip‘ schon bekannt seien. Ich vermute, dass das heute kaum noch jemand vertritt, wenn darunter das zu verstehen ist, was die Synthetische Theorie der Evolution beinhaltet.

  2. Im Prinzip hast Du recht. Der Artikel ist als Antwort auf eine konkrete Frage jedoch bewusst kurz gehalten wurden. Das dieses ein Zeichen einer sich stets weiter entwickelnden Wissenschaft ist, hätte aber wirklich gut in den Artikel herein gekonnt.

    Viele der neueren Ideen, wie. z.B. die fast neutrale Evolution, wurden und werden ja auch, im Zuge einer erweiterten Synthese, in die synthetische Evolutionstheorie aufgenommen.

    • El Schwalmo

      Es geht noch weiter: niemand weiß so recht, was ‚Synthetische Theorie der Evolution‘ überhaupt bedeutet. Man hat sie als ‚moving target‘ oder auch als ‚Schwamm, der alles aufsaugt, ohne zu platzen‘ bezeichnet.

      Es stimmt, dass sie die Neutrale Theorie und in weiten Teilen auch PunkEeek (als ’speedy gradualism‘) integrieren konnte, aber mit EvoDevo wird das wohl kaum möglich sein. Eine Theorie kann nicht alles schlucken. Gould hat das sehr schön (unter Bezug auf Kellogg) formuliert: es gibt Erweiterungen und Ersetzungen. Bestimmte Bereiche lassen sich nicht mehr integrieren, ohne dass eine Theorie ihren Charakter verliert. Du kannst nicht einfach die Newton-Mechanik mit relativem Raum oder Zeit weiter treiben.

  3. Naja, die Synthese bei der Synthetischen Evolutionstheorie bedeutet ja gerade, dass dort verschiedene Theorien zu einer höheren Theorie vereint werden. Schafft man nun einen weiteren Aspekt mit dieser zu vereinen, hat man die Synthese erweitert. Daher ist das, so wie ich das sehe nicht verwunderlich.

    Die Newtonsche Mechanik ist ja auch, wenn mich meine sehr laienhaften Physikkenntnisse nicht trügen, als ein Spezialfall der Relativität immer noch gültig. Analog dazu denke ich, dass wenn neue Erkenntnisse auftauchen, die bestehende Synthese einfach zu einem Spezialfall der dann neuen Synthese wird.

    Natürlich weiß man heute noch nicht alles über Evolution, die Biologie oder die Naturwissenschaften im Allgemeinen. Aber genau das macht die ganze Sache ja so spannend.

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