Hoyles Fehlschluss

Oder von der Unmöglichkeit das Wort „Gardinenstange“ beim Galgenmännchen zu erraten – Teil 2

Vor gar nicht all zu langer Zeit lebte in einem nicht all zu entfernten Königreich ein weiser Astronom, den alle Welt Fred Hoyle nannte.
Da dieser Rittersmann nicht glauben konnte, dass das Leben auf dieser Erde entstanden sein konnte, machte er das, was Astronomen gut beherrschen – er rechnete. Er nahm dafür an, dass ein kurzes Protein, wie man es heutzutage findet etwa 300 Aminosäuren lang ist und berechnete dann die Wahrscheinlichkeit dafür, dass aus einer Lösung aller möglichen Aminosäuren eine gewisse Anzahl (oft wird da 400 genannt) dieser kurzen Proteine spontan entsteht. Dabei kam er auf eine Wahrscheinlichkeit von 1.10-40.000. Es ist leicht einzusehen, dass das selbst bei einem etwa 15 Milliarden Jahre alten Universum die spontane Entstehung von Leben so gut wie unmöglich macht.
Als die dunkle Bruderschaft der Kreationisten dieses vernahm war die Freude groß, denn nun hatten sie ein handfestes mathematisches Argument, welches, ihrer Meinung nach, die Evolution widerlegte und dieses Argument kam sogar von einem echten Wissenschaftler.

Da der dieser Artikel die Überschrift „Hoyles Fehlschluss“ trägt, ist es naheliegend, dass Hoyle auch einen Fehler bei seiner Überlegung gemacht hatte. Aber was ist denn nun dieser Fehler?
Nunja, streng genommen sind es mehrere Fehler:

Das erste Problem ist das, was an anthropisches Prinzip nennt. Kurz gesagt bedeutet das, dass wenn wir nicht hier wären, wir uns auch keine Gedanken über unsere Existenz machen könnten. Wenn die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben wirklich so gering wäre wie Hoyle das errechnete (und das ist zweifelhaft), dann hätten wir vielleicht einfach unglaubliches Glück gehabt, während in unzähligen Milliarden anderer Universen vielleicht kein Leben entstanden ist und sich folglich auch niemand darüber Gedanken machen könnte.

Ein weiteres Problem ist, dass Hoyle von einem modernen Organismus mit modernen Proteinen ausgeht. Gut, er nimmt einen der einfachsten (zu mindestens, wenn es um die Größe der Proteonoms geht) Organismem (nämlich Mycobacterium genetalium) und die kürzesten modernen Proteine an, aber er nimmt dennoch moderne Proteine und einen modernen Organismus an. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die ersten Organismen noch einfacher waren, also weniger und kürzere Proteine besaßen.

Der nächste Fehler in der Überlegung ist, dass Hoyle annahm, dass es für ein beliebiges Protein nur eine einzige Abfolge von Aminosäuren gäbe, welche dem Protein die benötigte Funktion geben würde. Es ist jedoch so, das nur an sehr wenigen Stellen eines Proteins wirklich eine bestimmte Aminosäure stehen muss, damit das Protein Funktion hat. An den meisten Stellen genügt es, wenn die Aminosäure eine bestimmte Eigenschaft aufweist, wie z.B. eine bestimmte Ladung oder eine bestimmte räumliche Struktur (eine bestimmte Sterik). An manchen Stellen ist es sogar völlig egal, welche Aminosäure dort steht.

Der meiner Meinung nach aber schwerwiegendste Fehler, den Hoyle machte war aber, dass er die Wahrscheinlichkeit errechnete, mit der diese Proteine spontan und zufällig aus einer Lösung aller Aminosäuren entstehen. Das behauptet jedoch auch niemand.Viel mehr nimmt man an, dass das erste Leben schrittweise entwickelt hat. Selbstorganisation ist in der Natur beobachtbar (z.B. bei Mizellen), ebenso wie Replikation einiger Eigenschaften (z.B. bei einigen Tonerden). Es ist also naheliegend, dass ein Prozess, der in einigen Aspekten der biologischen Evolution ähnlich ist, schrittweise zu den ersten Zellen geführt hat.

Das bringt uns zu dem „Gardinenstange“-beim-Galgenmännchen-erraten Beispiel, welches ich in meinem vorletzten Artikel gemacht habe. Niemand würde, wenn er Galgenmännchen spielt wahllos irgendwelche Buchstabenkombinationen nennen.

Vielmehr rät behält man die Buchstaben, welche richtig erraten wurden und rät nur mit den noch nicht erratenen Buchstaben weiter. Man nährt sich also schrittweise dem richtigen Wort an, anstatt wild ganze Buchstabenkombinationen der gewünschten Länge in den Raum zu werfen.

Ein weiterer Fehler kommt dann oft von Kreationistenseite, indem Evolution, also die Veränderung der Arten, und die Entstehung des Lebens, also die Abiogenese, in einen Topf geworfen werden. Hoyles Fehlschluss ist ein fehlerhaftes Argument gegen die Abiogenese, jedoch keines gegen Evolution. Diesen Fehler hat aber, meines Wissens nach, Hoyle selber nie gemacht.

P.S. das oft gehörte Argument „Wenn ein Tornado durch einen Schrottplatz weht wird nie eine Boing 747 entstehen“ ist eine Variation von Hoyles Fehlschluss.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Abiogenese

8 Antworten zu “Hoyles Fehlschluss

  1. basti4321

    „Galgenmännchen“ zu spielen, setzt jedoch einen vorhandenen Intelekt voraus…… der Vergleich hinkt also.
    Ich gehe jedoch davon aus, das in den Köpfen der Evo-Fans diese Prämisse hohen Anklang finden kann, ganz einfach weil sie schön logisch klingt, was sie aber nicht ist – aber was solls…

    Das es mit der puren Zusammensetzung von Aminosäuren auch längst nicht getan ist, Leben zu schaffen, wird man vermutlich auch dennoch „schlucken“.

    Das das anthropische Prinzip eine Tautologie ist, eigentlich schon ein Zirkelschluss, wird man ebenso nicht wahrhaben wollen.

    Insofern ein gelungener Internetauftritt.

    MFG
    Basti4321

    • „Galgenmännchen“ zu spielen, setzt jedoch einen vorhandenen Intelekt voraus…… der Vergleich hinkt also.

      Prinzipiell könnte man die Buchstaben auch auswürfeln und trotzdem würde das Beschriebene dann immer noch so gelten. Was Du offenbar nicht verstanden hast, ist dass die Beispiele für einen vollkommen zufälligen Prozess und einen Prozess der gerichtet und auf Vorhandenem aufbauend ist, stehen.

      Das es mit der puren Zusammensetzung von Aminosäuren auch längst nicht getan ist, Leben zu schaffen, wird man vermutlich auch dennoch „schlucken“.

      Das wurde in dem Artikel allerdings auch nirgendwo behauptet.

      Das das anthropische Prinzip eine Tautologie ist, eigentlich schon ein Zirkelschluss, wird man ebenso nicht wahrhaben wollen.

      Dann wäre es ja Deine Gelegenheit, uns das hier mal etwas genauer zu erklären.

  2. Basti4321

    „Was Du offenbar nicht verstanden hast, ist dass die Beispiele für einen vollkommen zufälligen Prozess und einen Prozess der gerichtet und auf Vorhandenem aufbauend ist, stehen.“

    Und woraus entnimmst Du das? Nur weil ich ein Beispiel als „hinkend“ betrachte aus Gründen die Du nachweislich nicht verstanden hast? Mitlerweile auch längst klar, das mitlerweile auch nur theoretisch Vorhandenes als tatsächlich vorhanden betrachtet wird, wo dann die gedachte „Suppe“ selber als so ein Fakt dargestellt wird (wogegen die günstige Lage der Erde etwas tatsächlich Vorhandenes darstellen könnte).
    Naja, ich wäre der letzt der etwas gegen das theoretisieren an sich hätte.
    Jedoch sollte man, in der Wissenschaft zumindest, Phantasie und Fakten trennen können.
    Wenn man meint sich einen Beleg für eine „Suppe“ assoziieren zu dürfen, dann nur zu, ist ein freies Land. Aber dann zu erwarten, das denkende Menschen das abkaufen, halte ich dann für übertrieben.
    __________________________________________________
    Das anthropische Prinzip beinhaltet schon allein in seiner Grundaussage eine unbelegte Annahme, nämlich die Entwicklung.
    Die Entwicklung wird dabei lediglich als Factum dargestellt, wobei doch der derzeitige Foschungsstand genausogut belegt, das es sich nicht entwicket haben muss.
    Wie schon gesagt habe ich nichts gegen das theoretisieren an sich.
    Doch sollte man, gerade in der Wissenschaft, nicht lieber die Dinge wie gehabt etwas empirischer angehen?
    Wo käme man in anderen wissenschaftlichen Bereichen hin, wie in der Medizin, wenn man der unbewiesenen Theorie mehr Glauben schenkt, als der auf Fakten basierenden Arzneimittelprüfung?
    Nur mal so als Anregung zum selber nachdenken.

    • Und woraus entnimmst Du das? Nur weil ich ein Beispiel als „hinkend“ betrachte aus Gründen die Du nachweislich nicht verstanden hast?
      Ich entnehme das aus Deiner Begründung. Du kritisierst ja etwas, was mit dem Kern des Problems überhaupt nichts und mit dem Problem selber nur am Rande zu tun hat.

      Jedoch sollte man, in der Wissenschaft zumindest, Phantasie und Fakten trennen können.

      Das können wir schon ganz gut. Danke🙂

      Wenn man meint sich einen Beleg für eine „Suppe“ assoziieren zu dürfen, dann nur zu, ist ein freies Land. Aber dann zu erwarten, das denkende Menschen das abkaufen, halte ich dann für übertrieben.

      Könntest Du bitte mal erklären, wo hier irgendwo irgendwer einen Beleg für irgendeine „Suppe“ assoziiert? Hier geht es um die Fehlerhaftigkeit von Hoyles Argument. Vielleicht könntest Du einfach Mal konkret dazu Stellung nehmen anstatt hier eine Gazpacho ungerichteten Nörgelns abzuliefern.

      Das anthropische Prinzip beinhaltet schon allein in seiner Grundaussage eine unbelegte Annahme, nämlich die Entwicklung.

      Okay, das anthropische Prinzip besagt nichts anderes als: „Jegliche Beobachtung setzt die Existenz eines Beobachters voraus. Wo ist hier in der Grundannahme eine Entwicklung versteckt?

      Zum Rest: Mir scheint es, als wenn Du hier über etwas ganz als anderes als gegen die Fehler in Hoyles Fehlschluss argumentieren möchtest, nämlich über Abiogenese oder die biologische Evolution im allgemeinen.
      Ich kann Dir anbieten, das Du Deine Einwände mal konkret formulierst und diese mir entweder zu mailst oder im Gästebuch postest. Dann werde ich gerne im Einzelnen darauf eingehen🙂

  3. Basti4321

    Richtig, es ging mir letztlich um die Theorie der Abiogenese, welche eigentlich als solche noch gar nicht mal besteht.
    Da ich als Interessierter in solchen Dingen auf dem neusten Stand sein möchte, bin ich da eben auch auf den Link hier auf der rechten Seite gestoßen der da inhaltlich verspricht sich wohl mit der „Abiogenese“ zu beschäftigen.
    Da es aber nun, wie Du es unnötig hervorhebst, hier eben doch nicht um die Abiogenese geht (der Link hält da wohl nicht was er verspricht), sondern um einen m.E. lediglichen Versuch die Abiogenese durch die Dementierung einer anderen Theorie schlichtweg besser dastehen zu lassen (was bei manchen Köpfen garantiert funktionieren wird), so sehe ich es als legitim doch konsquent auf das Thema an sich, der „Abiogenese“, einzugehen.

    Im grunde nörgelst Du also über Deine eigene Inkonsequenz, mit der Du an das eigentliche Thema herangehst.
    Des weiteren sagt das wirkliche anthropische Prinzip weit mehr aus, als es dir anscheinend lieb ist. Nun, meine Aufgabe ist es nicht deine Wissenslücken aufzufüllen – sogar Suchmaschienen des WWW verhelfen da zu besseren Auskünften, als wie man sie hier bekommt und wo dein persönliches Wissen hier nachweislich nicht mitkommt (Brandon Carter würde sich im Grab umdrehen wenn er Tod wäre).
    Über die Abiogenese und der weiteren Evolutionstheorie bin ich ansonsten bestens im Bilde. Es reicht aus, um eine wenig gut belegte Theorie von wissenschaftlichen Fakten unterscheiden zu können.
    Aber danke für das Angebot.

  4. Richtig, es ging mir letztlich um die Theorie der Abiogenese, welche eigentlich als solche noch gar nicht mal besteht.

    Wie Du schon schreibst, es gibt noch keine Theorie über Abiogenese. Es gibt einige Hypothesen (auf die ich in fernerer Zukunft auch mal einzugehen plane), aber eine „Theorie der Abiogenese“ gibt es wirklich noch nicht. Aber auch das hat ja auch niemand behauptet.

    Da ich als Interessierter in solchen Dingen auf dem neusten Stand sein möchte, bin ich da eben auch auf den Link hier auf der rechten Seite gestoßen der da inhaltlich verspricht sich wohl mit der „Abiogenese“ zu beschäftigen.
    Da es aber nun, wie Du es unnötig hervorhebst, hier eben doch nicht um die Abiogenese geht (der Link hält da wohl nicht was er verspricht), sondern um einen m.E. lediglichen Versuch die Abiogenese durch die Dementierung einer anderen Theorie schlichtweg besser dastehen zu lassen (was bei manchen Köpfen garantiert funktionieren wird), so sehe ich es als legitim doch konsquent auf das Thema an sich, der „Abiogenese“, einzugehen.

    Du meinst anscheinend den „tag“. Da Hoyles Behauptung eine Behauptung über die Abiogenese ist. scheint es mir nur legitim, dieses auch kenntlich zu machen.

    Im grunde nörgelst Du also über Deine eigene Inkonsequenz, mit der Du an das eigentliche Thema herangehst.

    Also die ist es inkonsequent, bei einer Behauptung über die Abiogenese, dieses auch kenntlich zu machen? Interessant.

    Des weiteren sagt das wirkliche anthropische Prinzip weit mehr aus, als es dir anscheinend lieb ist. Nun, meine Aufgabe ist es nicht deine Wissenslücken aufzufüllen – sogar Suchmaschienen des WWW verhelfen da zu besseren Auskünften, als wie man sie hier bekommt und wo dein persönliches Wissen hier nachweislich nicht mitkommt (Brandon Carter würde sich im Grab umdrehen wenn er Tod wäre).

    Ah, ja. Schön, dass Du Deine Behauptungen auch so gut belegen kannst.

    Über die Abiogenese und der weiteren Evolutionstheorie bin ich ansonsten bestens im Bilde.

    Anscheinend nicht, da Abiogenese und Evolutionstheorie zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

    Abschließend kann ich Dir nur raten, Deine Wissen weniger aus dem WWW zu beziehen, sondern Deine Nase mal in ein paar Fachbücher zu stecken.

  5. Basti4321

    Mir klar das das zwei paar Schuhe sind – habe ich auch nicht behauptet.
    _______________________
    Wer das anthropische Prinzip dermaßen deplaziert einbaut (allein schon wegen den pseudowissenschaftlichen Einsatz), einerseits dann auch noch behauptet das es nichts mit der Entwicklung des Lebens zu tun hat, dann aber dieses selber in den Artikel so einbaut, das er dabei „die Enstehung von Leben“ (Entstehung=Entwicklung) in diese Betrachtungsweise mit ergreifen will, ja was sagt das aus über den Autoren?
    Wankelmut? Willkürliche Übernahme von Texten, die er selber im Sinn nicht erfasst hat?

    Und ja: Ich packe meine Nase lieber in Fachbüchern, als auf solchen Seiten wie deine. (Und so etwas will Lehrer werden?!?!)
    Dem Betreiber der Homepage wünsche ich, das er noch viele Dinge lernen wird, vor allem nicht nur auswendig, sondern auch verständig.
    Des weiteren gönne ich nun dem „Hausherrn“ das letzte Wort.

  6. Mir klar das das zwei paar Schuhe sind – habe ich auch nicht behauptet.

    Über die Abiogenese und der weiteren Evolutionstheorie bin ich ansonsten bestens im Bilde.

    <_<

    dann auch noch behauptet das es nichts mit der Entwicklung des Lebens zu tun hat, dann aber dieses selber in den Artikel so einbaut, das er dabei „die Enstehung von Leben“ (Entstehung=Entwicklung) in diese Betrachtungsweise mit ergreifen will, ja was sagt das aus über den Autoren?

    Das hab‘ ich nicht behauptet. Ich habe Dir die Grundannahme genannt, nach der Du ja gefragt hast. Und die ist hat so, wie ich sie genannt habe. Die verschiedenen Formulierungen haben dann doch (meistens) etwas mit der Entstehung des Lebens zu tun.
    Du solltest lernen zwischen Grundannahme und Formulierung zu unterscheiden.

    Und ja: Ich packe meine Nase lieber in Fachbüchern, als auf solchen Seiten wie deine. (Und so etwas will Lehrer werden?!?!)
    Dem Betreiber der Homepage wünsche ich, das er noch viele Dinge lernen wird, vor allem nicht nur auswendig, sondern auch verständig.
    Des weiteren gönne ich nun dem „Hausherrn“ das letzte Wort.

    Schade, ich hab gehofft, dass Du außer halbgebildeten Gepöbel auch mal einen konstruktiven Beitrag liefern hättest können. 😦

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