Grundkurs Biologie: Taxonomie, Modelle und Kladistik I

Teil I: Die biologische Taxonomie

Ab und an ließt man in Zeitschriften, dem Internet und anderen Medien etwas vom „lateinischen Namen“ von Lebewesen. Damit sind dann Namen wie Bubo bubo für den Uhu, Canis lupus für den Wolf, Canis aureus für den Goldschakal oder Canis lupus familiaris für den Hund gemeint.
Schauen wir uns aber nun an, wie die alten Lateiner die Tiere genannt haben, so sehen wir, dass dort der Uhu nur als bubo, der Wolf als lupus und der Hund als canis bezeichnet wurde.

Abbildung 1: Cave Canem. Ein Mosaik eines Hundes aus dem antiken Pompeji

In Anbracht dessen, müssen uns die Rückübersetzungen Uhu Uhu, Hund Wolf, goldener Hund und vertrauter Hund Wolf doch sehr seltsam vorkommen. Diese merkwürdigen Benennungen kommen daher das die Bezeichnung „lateinische Namen“ für Bubo bubo, Canis lupus, Canis aureus und Canis lupus familiaris streng genommen falsch ist. Zwar bestehen die einzelnen Bestandteile dieser Namen aus lateinischen oder lateinisierten Begriffen, jedoch sind die Namen selber die taxonomischen Namen dieser Tiere.

Eine Taxonomie ist einfach ein Ordnungssystem, welches Objekte in verschiedene Kategorien, den Taxa (Sg. Taxon), einteilt. In diesem Fall sind diese Objekte die verschiedenen Lebewesen.
Während es schon verschiedene biologische Taxonomien vorher gab, so geht doch unsere heutige Taxonomie auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné zurück. Das zentrale Element seiner Taxonomie ist die von ihm eingeführte binominale Nominklatur. Wie diese Bezeichnung schon andeutet, besteht der Name einer Art in Linnés Taxonomie aus zwei Bestandteilen, dem Gattungs- und anschließend dem Artnamen. Die Art wurde klassisch als Fortpflanzungsgemeinschaft definiert, also als eine Gruppe von Organismen, die miteinander fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen können. Eine Gruppe ähnlicher Arten wurde dann zu einer Gattung zusammengefasst. Die Gattung ist also die nächst höhere taxonomische Einheit nach der Art. Man hat sich darauf geeinigt, sowohl Art-, als auch Gattungsnamen kursiv, den Gattungsnamen groß und den Artnamen klein zu schreiben.

Abbildung 2: Carl von Linné als junger Mann. Kopie (1853) eines Portraits, auf dem sich Carl von Linné in der Kleidung der Samen zeigt.

Zur Verdeutlichung schauen wir nun die Beispiele vom Anfang des Artikels nochmals an. Der Uhu als Bubo bubo ist also die Art Bubo bubo in der Gattung Bubo. Wolf, Schakal und unser domestizierter Hund, gehören alle zu der Gattung Canis. Dabei sind Wolf Canis lupus und Goldschakal Canis aureus zwei verschiedene Arten der gleichen Gattung. Hund und Wolf gehören aber beide der gleichen Art, nämlich Canis lupus, an. Das ist schön im Einklang mit der Definition der Art als Fortpflanzungseinheit. Wolf und Hund können in der Tat fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen. Der dritte Namensbestandteil beim Hund, das familiaris, zeigt dann an, dass der Hund eine Unterart des Wolfs ist.
Genau, wie man ähnlich Arten zu einer Gattung zusammenfasst, so kann man wiederum ähnlich Gattungen zu einem höheren Taxon, einer Familie, zusammenfassen. So gehört die Gattung Canis zu der Familie Canidae, den Hunden. Weiterhin kann man ähnliche Familien zu einer Ordnung als nächst höheres Taxon zusammen fassen. Die Familie der Hunde und die der Katzen (Felidae) gehören, neben weiteren, zu der Ordnung Carnivora, den Raubtieren. Dieses geht so weiter, bis man beim Reich als ursprünglich höchstes Taxon angekommen ist. Zu den Reichen zählen z.B. die Tiere (Animalia) und Pflanzen (Plantae). Alle Taxa, die höher als eine Gattung sind, werden in der Regel nicht kursiv geschrieben.

Eine kurze Auflistung der Hierarchie innerhalb der biologischen Taxonomie ist folgende (Taxa steigen von v.l.n.r.):

Art < Gattung < Familie < Klasse < Stamm < Reich

Dieses ist aber eine sehr vereinfachte Darstellung. So gibt es noch Unterklassen, Überfamilien und ähnliches. Außerdem wurde mit der Domäne noch ein höheres Taxon als das Reich eingeführt.

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