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Glaubt Richard Dawkins an Intelligent Design?

In Diskussionen mit Kreationisten habe ich von Zeit zu Zeit hören, bzw. lesen, können, dass der „Guru aller Atheisten und Schöpfungsleugner“ Richard Dawkins in einem Interview zugegeben hätte Intelligent Design für möglich zu halten, oder sogar zu glauben. Dazu wird dann dieses Video gepostet.
Die Botschaft dabei soll dann natürlich sein, dass Dawkins zwar nicht leugnen kann, dass ID stimmt, sich aber nicht traut Gott als den Designer zu akzeptieren und deshalb kleine grüne Männchen als Designer postuliert.

Selbst, wenn das so stimmen würde, wäre das natürlich kein Argument gegen die Evolution und die Evolutionstheorie. Wissenschaft basiert ja nicht auf der persönlichen Ansicht einiger, weniger Autoritäten, sondern auf aussagekräftigen Daten aus reproduzierbaren Experimenten.

Was aber viel interessanter ist, ist, dass diese Szene aus dem sehr tendenziösen Film „Expelled: No intelligence allowed“ nur ein Teil eines deutlich längeren Interviews mit Dawkins ist, welches die Macher des Films unter fragwürdigen Bedingungen mit ihm geführt hatten.
Dawkins selber schreibt hier dazu:

Toward the end of his interview with me, Stein asked whether I could think of any circumstances whatsoever under which intelligent design might have occurred. It’s the kind of challenge I relish, and I set myself the task of imagining the most plausible scenario I could. I wanted to give ID its best shot, however poor that best shot might be.

Dawkins wurde also gegen Ende des Interviews gefragt, unter welchen Umständen Intelligent Design stattgefunden haben könnte. Da er diese Art von intellektueller Herausforderung mag, hat er sich dann das für ihn plausibelste Szenario ausgedacht und erklärt. Das heißt aber natürlich nicht, dass er dieses Szenario einer gerichteten Panspermie für wahrscheinlicher, als die Entstehung des Lebens auf unserem Planeten ohne einen Schöpfer hält. In der Tat unterstreicht er sogar die Unwahrscheinlichkeit dieses Szenarios.

In dem Interview selber ist noch zu hören, dass man dann auch eine Art Fingerabdruck oder Unterschrift dieses Designers finden können sollte (bei etwa 1:20). Das dieses nicht der Fall ist, spricht schon für sich. Die Macher des Filmes drehen das jedoch so, als ob Dawkins ID für eine seriöse Hypothese halten würde. Dieses geschieht durch die sehr suggestive Frage direkt im Anschluss an Dawkins Szenario:

Wait a second, Richard Dawkins thought Intelligent Design might be a legitimate pursuit?

Außerdem stellt Dawkins klar, dass dieser außerirdische Schöpfer dann jedoch selber über einen evolutiven Mechanismus entstanden sein müsse. Also, dass das Problem nur verlagert würde und letztendlich eine Form von biologischer Evolution den Stein ins Rollen gebracht haben haben müsse (den Kalauer konnte ich mir leider nicht verkneifen).

Es ist also höchst bezeichnend, dass von einem längeren Interview nur noch diese kleine Szene übrig blieb, die dann noch mittels suggestiver Fragen aus dem Off in ihrer Aussage verfremdet wurden. Dieses scheint die filmische Variante des Quote-mining zu sein.

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Interessantes Video: Evolution – ein blinder Uhrmacher

Viele von Euch werden dieses Video bestimmt schon gesehen haben. Es bezieht sich auf die Uhrmacher-Analogie von William Paley.

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Lehrt die Kontroverse!

Zur Abwechslung mal wieder etwas zum Schmunzeln (von den großartigen Atheist Cartoons):

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Tanz wie ein Äffchen! die Zweite

Den Titel des blogs habe ich im überigen von einem sehr guten Lied der New York Dolls übernommen.

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Die Wieselparade

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Abbildung 1: Ein Altaiwiesel. Karunakar Rayker / CC BY-SA 2.0 (US)

Gerade fiel mir ein, dass voriges Jahr ein Beitrag auf Panda’s Thumb war,  in dem dazu aufgerufen wurde eigene Versionen von Dawkins Wiesel-Algorithmus zu schreiben und zu veröffentlichen.

Obwohl ich da schon seit über 10 Jahren mich nicht mehr daran gesetzt hatte etwas zu programmieren (und auch vor 10 Jahren sicherlich kein Virtuose darin war), reizte mich die Herausforderung. Leider hatte ich letztes Jahr noch keine Möglichkeit das Resultat auch ins Netz zu stellen.

Das hole ich nun hiermit nach 🙂

# weasel program in Python
# should display "METHINHS IT IS LIKE A WEASEL"

# Importing random classes
import random

# Defining variables
aim = „METHINK IT IS LIKE A WEASEL“ #Defining the aim
pop = []
i = 0
c = 0
mutrate = raw_input(„Please set mutation rate (in %):“) # sets mutation rate in %
mutrate = int(mutrate)
size = raw_input(„Please enter offspring size:“) # setting offspring size
size = int(size)

def umwandel(var): # Converts a list into a string
a = „“
c = 0
while c <= 26:
a = a + (var[c])
c = c + 1
return a

def convert(var): # Converts a string into a list
a = []
c = 0
while c <= 26:
a += [var[c]]
c = c + 1
return a

def zufall(): # Generates a random letter
alphabet = „ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ “
random.seed()
a = random.randrange(0, 27, 1)
b = alphabet[a]
return b

def generate(): # Generates a random string of 28 letters
c = 0
word = „“
while c <= 26:
word += (zufall())
c = c + 1
return word

def mutate(var,mutrate): # mutates each letters in a string of 27 elements with a (mutrate) % likelihood
c = 0
while c <= 26:
random.seed()
a = random.randrange(1,100,1)
if a <= mutrate:
b = zufall()
var = convert(var)
var[c] = b
var = umwandel(var)
c = c + 1
return var

def fittnes(var1,var2): # Compares the level of similarity between 2 strings of 28 elements
c = 0 # The result is an integer
i = 0
while c <= 26:
if var1[c] == var2[c]:
i = i + 1
c = c + 1
return i

def population(var): # Generates a list of strings with (var) random elements
c = 1
b = []
while c <= var:
b += [generate()]
c = c +1
return b

def selection(aim,pop,size): # Selects the element of a list which has the most similarities with a given aim
z = 0
a = „“
f = 0
while z <= size-1: b = pop[z] i = fittnes(aim,b) if i > f:
f = i
a = pop[z]
z = z + 1
return a,f

def offspring(mother,mutrate,size): # Generates a list of mutations from ‚mother‘ with ’size‘ elements
c = 1
children = []
while c <= size:
children += [mutate(mother,mutrate)]
c = c + 1
return children

# Main program

pop = population(size) # Setting a starting population
mother = selection(aim,pop,size) # picks the element from the starting population with the most similarities to the aim
print „Generation “ + str(c)
print „Best fit:“ + mother[0] + “ Similarities:“ + str(mother[1])
print

while i < 27: # loop will run till a complete match
c = c + 1 # counts the generations
pop = offspring(mother[0],mutrate,size) # a new generation will be generated from the last run’s ‚best fit
mother = selection(aim,pop,size) # this generation’s ‚best fit‘
print „Generation “ + str(c)
print „Best fit:“ + mother[0] + “ Similarities:“ + str(mother[1])
print
i = mother[1]

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Creation Science 101

Passend zum gestrigen Eintrag über die Entwicklung von von ID ist hier ein Video von Roy Zimmerman:

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Intelligent Design: Die Geschichte einer politischen Lüge

(b) The Act impermissibly endorses religion by advancing the religious belief that a supernatural being created humankind. The legislative history demonstrates that the term „creation science,“ as contemplated by the state legislature, embraces this religious teaching. The Act’s primary purpose was to change the public school science curriculum to provide persuasive advantage to a particular religious doctrine that rejects the factual basis of evolution in its entirety. Thus, the Act is designed either to promote the theory of creation science that embodies a particular religious tenet or to prohibit the teaching of a scientific theory disfavored by certain religious sects. In either case, the Act violates the First Amendment.

(Edwards v. Aguillard, 1987)

Mit diesen Worten entschied der Höchste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass der Unterricht von Schöpfungs“wissenschaft“ an öffentlichen Schulen den ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verletzte. Damit endete der bis dahin letzte Versuch christlich-fundamentalistischer Strömungen religiöses Dogma neben etablierten naturwissenschaftlichen Theorien im naturwissenschaftlichen Unterricht zu etablieren.

Gleichzeitig jedoch markiert es auch die Geburtsstunde des Intelligent Designs (ID) – der vielleicht größten politisch motivierten Lüge des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Eine Lüge entwickelt sich

Das Ende der Schöpfungs“wissenschaft“ lag darin begründet, dass sie explizit Bezug auf die Bibel und den christlichen Gott nahm. Um ihr Ziel weiter verfolgen zu können, musste also nun eine Art Trojanisches Pferd her, welches zwar die gleichen Inhalte wie die nun tote Schöpfungs“wissenschaft“ vermittelt, jedoch nicht zu offensichtlich religiös war. Zum Glück der Fundamentalisten erlaubte das Urteil aber explizit den Unterricht von alternativen wissenschaftlichen Theorien. Zu diesem Zweck wurde zuallererst einfach der Term „Gott“ durch das Wort „intelligenter Schöpfer“ und das Wort „Kreationismus“ durch „intelligentes Design“ ersetzt. Ein eindrucksvolles Zeugnis davon ist das kreationistische „Lehr“buch „Creation Biology“, welches sich über mehrere Schritte hin zum ID-„Lehr“buch „Of Pandas and People“ hin entwickelte.

Abbildung 1:Anzahl der Nennungen der Wörter „creationism“ (rote Linie) und „intelligent design“ (blaue Linie) in den Ausgaben von Creation Biology und der Nachfolgepublikationen. Quelle: Talkorigins Zugriff: 28.6.2010

In Abbildung 1 kann man gut erkennen, wie 1987, also zum Zeitpunkt des Prozeßes „Edwards v. Aguillard“, zwischen den ersten und zweiten Entwurf fast alle Nennungen des Wortes „creationism (Kreationismus)“ durch „intelligent design“ ersetzt wurden. So wurde aus einem kreationistischen Buch, welches durch Beschluss des obersten Gerichtshofes der USA nicht im Unterricht hätte eingesetzt werden dürfen, ein Lehrbuch über ID, welches, oberflächlich betrachtet, lediglich eine andere wissenschaftliche Perspektive anbietet. Ein weiterer Beleg für diese „Evolution“ des Buches ist, dass in dem zweiten Entwurf von „Pandas and People“ einmal das seltsame Word „cdesign proponentsists“ auftaucht.

Schattenspiele

Während man sich anfangs noch damit begnügte die gleichen Argumente wie die Schöpfungs“wissenschaften“ zu benutzen, wurde es anscheinend schnell klar, dass, um der breiten Masse als seriöse Wissenschaft zu erscheinen, Intelligent Design eigene, wissenschaftlich klingende Konzepte braucht. Dafür wurden zwei Konzepte aufgestellt.

Das erste wurde von William Dembski aufgestellt und ist das Konzept von der spezifizierten Komplexität. Zusammengefasst besagt dieses Konzept, dass wenn etwas sowohl Informationen trägt als auch sehr komplex ist, dieses nicht durch Zufall entstanden sein kann. Es wird dann davon abgeleitet, dass ein intelligenter Akteur an der Entstehung dieser spezifizierten Komplexität beteiligt sein musste. Dieses Konzept verliert jedoch stark an Glaubwürdigkeit, wenn man erkennt, dass der Mathematiker Dembski zwar eine recht aufwendige Formel zur Bestimmung der spezifizierten Komplexität aufstellt, diese jedoch auch bekannt zufällige Muster als Produkt von Design erkennt. Des weiteren benutzt Dembski verschiedene Definitionen von Information und Komplexität, als wenn sie austauschbar wären. Hier fällt eine begriffliche Unschärfe auf. Zuletzt muss man sich vor Augen hallten, dass Evolution durch die natürliche Selektion kein gänzlich zufälliger,  sondern ein gerichteter Prozess ist.

Das zweite Konzept wurde von Michael Behe 1996 in seinem Buch „Darwin’s Black Box“eingeführt und wird als „nicht-reduzierbare Komplexität“ bezeichnet. Dieses besagt, dass wenn für ein System keine Möglichkeit denkbar ist, dieses auf einen weniger komplexen Vorgänger zurück zu führen, dieses nicht durch evolutionäre Mechanismen entstanden sein kann. Dieses ist prinzipiell ein guter Einwand und es stimmt, dass, wenn man so ein System fände, es zumindest zeigen würde, dass es noch andere Mechanismen außer denen der Evolution geben müsse. Jedoch wurde so ein System noch in keinem Lebewesen gefunden. Des weiteren muss man sich immer vor Augen halten, dass dieses Konzept sich immer am Rande des Arguments-aus-Ignoranz bewegt, denn nur weil man keinen Vorgänger kennt, muss das nicht heißen, dass keiner existiert.

Intelligent Design ist tot, es lebe die Kontroverse!

Als im Oktober 2004 das Schulgremium des Schuldistriktes Dover im US-Bundesstaat Pennsylvania den Entschluss fasste, dass im Biologieunterricht eine Erklärung, die Intelligent Design unterstützt, vorgelesen werden müsse, klagten elf Eltern von Schülern dieses Schuldistriktes gegen dieses Statement, da es ihrer Meinung nach den ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten verletzte. Da dieser Zusatzartikel es dem amerikanischen Staat verbietet Partei für eine religiöse Weltanschauung zu ergreifen, musste während dieses sogenannten „Kitzmiller v. Dover“-Prozesses also entschieden werden, ob Intelligent Design nun eine wissenschaftliche Richtung ist oder religiöses Dogma.

Während anfangs die überwiegend konservativen Kräfte, die Intelligent Design unterstützten mit einem Sieg für ihre Seite rechneten, da der prozessführende Richter ebenfalls ein bekannter Konservativer war, der von dem bekennenden wiedergeborenen Christen George W. Bush berufen wurde, wurde schließlich entschieden, dass Intelligent Design nichts anderes als die umetikettierten Schöpfungs“wissenschaften“ und damit eine religiöse Aussage sind.

The proper application of both the endorsement and Lemon test to the facts of this case makes it abundantly clear that the Board’s ID Policy violates the Establishment Clause. In making this determination, we have addressed the seminal question of whether ID is science. We have concluded that it is not, and moreover that ID cannot uncouple itself from its creationist, and thus religious, antecedents. […]

Kitzmiller v. Dover,2005

Entscheidend hierfür war meines Wissens unter anderem die nachgewiesene Entwicklung des kreationistischen Lehrbuches „Creation Biology“ zum ID-Lehrbuch „Of Pandas and People“ und das Eingeständnis des Biochemikers Behe, dass die von ihm genannten Beispiele für nicht-reduzierbare Komplexität mittlerweile widerlegt waren. Mit diesem Urteil des US-Verfassungsgerichtes kam im Jahre 2005 auch das Aus für Intelligent Design im schulischen Biologieunterricht, ähnlich wie schon 18 Jahre vorher für die Schöpfungswissenschaften.

Und auch ähnlich wie schon 18 Jahre vorher wurde nach einer neuen Taktik gesucht, um religiöse Dogmen im naturwissenschaftlichen Unterricht unter zu bringen. Die dabei entstandene, aktuelle Taktik nennt sich „teach the controversy“ (lehrt die Kontroverse) und zielt vorgeblich darauf ab, den naturwissenschaftlichen Unterricht durch eine Betrachtung der Vor-und Nachteile der Evolutionstheorie und durch eine ausgewogenere Betrachtung alternativer Theorien zu verbessern. Jedoch sind diese  alternativen Theorien keine echten wissenschaftlichen Theorien, sondern wieder nur der alte Kreationismus.

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