Chicken Wings mal anders: Über die Evolution der Vogelextremitäten


In gewisser Weise ist dieser Artikel eine Fortsetzung meines vorherigen blog-Eintrags. Dort wurde, ausgehend von einem Wachturmartikel, der Übergang der Fisch- zu Amphibienextremitäten angerissen. Hier will ich nun eine weitere Vorhersage, welche in dem Wachturmartikel gemacht wurde, betrachten, nämlich der belegbare Übergang von Reptilien- zu Vogelextremitäten.

Es müßte zu sehen sein, daß sich die vorderen Gliedmaßen der Reptilien in Flügel verwandelten, wie sie die Vögel haben, ihre hinteren Gliedmaßen in Beine mit Krallen an den Enden,

Hierfür ist es erst einmal wichtig zu wissen, dass die Reptilien keine einheitliche Gruppe im Sinne der Biologie sind. Stattdessen sind sie, was man als ein paraphyletisches Taxon bezeichnet. Das heißt, dass die Gruppe Reptilien nicht alle Nachkommen eines gemeinsamen Vorfahrens umfasst. In der folgenden Abbildung wird das verdeutlicht:


Abbildung 1: Die Gruppe der Reptilien als Paraphylum. Die grün hinterlegten Gruppen gehören traditionell zur Klasse Reptilia. Die anderen werden hingegen traditionell nicht dazu gezählt. Pisces = Fische, Amphibia = Lurche, Testudina: gemeint sind wahrscheinlich Testudinata = Schildkröten, Lepidosauria = Schuppenechsen, Crocodylia = Krokodile, Aves = Vögel

In der Abbildung sind die Gruppen, die traditionell zur Klasse der Reptilien gehören, grün hinterlegt. Was dabei auffällt ist, dass zwei Gruppen aus den Reptilien hervorgegangen sind, die traditionell nicht zu den Reptilien gezählt werden. Zum einen sind das die Synapsiden, deren einzige lebende Vertreter wir Säugetiere sind1. Zum anderen ist das die Gruppe Aves, also die Vögel. Aus der Abbildung ist außerdem ersichtlich, dass die Vögel am nächsten mit den Krokodilen verwandt sind. In der Tat ist es sogar so, dass Krokodile näher mit den Vögeln, als mit den Eidechsen oder gar mit den Schildkröten verwandt sind. Vögel und Krokodile sind die einzigen lebenden Vertreter des Taxons Archosauria.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Vögel mit den Krokodilen als nächste lebende Verwandte zu vergleichen.

Vorderextremitäten

Fangen wir also mit dem ersten Teil der Aussage an:

Es müßte zu sehen sein, daß sich die vorderen Gliedmaßen der Reptilien in Flügel verwandelten

In der folgenden Abbildung 2 wird ein Vergleich der Vorderextremitätenskelette der Krokodile und Vögel gezeigt:


Abbildung 2: Vergleich von Krokodil- und Vogelvorderextremität. Unter cc von John Conway.

In der Tat können wir deutliche Unterschiede zwischen der Vorderläufe der Krokodile und den Vogelflügel sehen. Wie der Wachturmartikel ganz richtig schreibt, sollten wir nun, wenn eine echte naturhistorische Verwandtschaft zwischen diesen beiden Gruppen besteht, Vorderextremitätenformen, die morphologisch zwischen den Extremitäten von Krokodilen und Vögeln stehen, im Fossilbefund finden.

Schauen wir uns dazu die Vorderläufe primitiver Dinosaurier an:


Abbildung 3: Skelett von Eodromaeus (Martinez et al. 2011, p. 208) Eoraptor (Langer, 2004, p. 27) und Lesothosaurus (Norman et al. 2004, p. 329), drei basalen Dinosauriern (http://pigeonchess.com/2011/02/28/a-tale-of-two-dinosaurs/, Zugriff: 13.2.2012).

Besonders interessant ist hierbei Eodromaeus. Dieser wird als früher Theropode angesehen. Also als Mitglied der Gruppe, aus der, neben Tieren wie Tyrannosaurus rex, auch die heutigen Vögel hervor gingen. Auch interessant ist Eoraptor, dieser zeigt noch Charakteristika der verschiedenen Dinosauriergruppen, so dass er als dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier nahestehend angesehen wird.
Diese beiden Dinosaurier zeigen schon eine reduzierte Anzahl von Fingern. Nämlich drei anstatt der fünf der Krokodile. A.nsonsten ähneln die Vorderextremitäten noch recht stark den Krokodilen, besonders denen früher bipeder Krokodile wie Effigia okeeffeae:


Abbildung 4: Rekonstruktion des Skelettes von Effigia okeeffeae (Nesbitt & Norell 2006).

Von den Vorderläufen der Theropoden ausgehend, es nicht mehr weit zu den heutigen Vögeln:


Abbildung 5: Die Vorderextremitäten von einem späten Theropoden (Ornitholestes) und verschiedener Vögel der unterschiedlichen Zeiten. A: Ornitholestes, B: Archaeopteryx, C: Sinornis, D: Modernes Huhn (Talk Origins Zugriff: 15.2.2012).

Die Skizze A stellt die Vorderläufe von Ornitholestes dar, einem Theropoden aus dem späten Jura vor etwa 154 Millionen Jahren.
Skizze B zeigt uns dann schon die Vorderextremität von Archaeopteryx aus dem Ende des Jura vor etwa 150 Millionen Jahren. Dieser steht den ersten Vögeln nahe (wobei darüber gestritten wird, ob es ein Vogel ist, der den Nichtvogeldinosauriern nahe steht, oder ein Nichtvogeldinosaurier, der den Vögeln nahe steht). Es ist unklar, ob Archaeopteryx schon wirklich fliegen, oder nur gleiten, konnte.
Als nächstes zeigt uns Skizze C den Flügel von Sinoris, einen Vogel aus der Kreidezeit. Dieser konnte definitiv schon fliegen.
Zuletzt sehen wir in Skizze D den Flügel eines rezenten Huhns.

Wir können also, wie von dem Wachturmartikel gefordert, sehen, wie sich Vorderläufe von Reptilien langsam in die Flügel der heutigen Vögel verwandelten. Das bedeutet, dass der Wachturmartikel erneut unabsichtlich einen Beleg für die Evolution lieferte.

Hinterextremitäten

ihre hinteren Gliedmaßen in Beine mit Krallen an den Enden

Der Übergang zwischen den hinteren Extremitäten von Reptilien und Vögeln ist dann sogar sehr einfach zu zeigen:


Abbildung 6: Skizze der hinteren Extremitäten eines Emus (Dromæus), eines iganoiden Dinosauriers und eines Krokodils (Crocodilus)( Huxley 1876)

Sieht man sich die Hinterläufen von Vögeln und Krokodilen an, so erkennt man direkt starke Ähnlichkeiten. Zeigt man dann noch die eines Dinosauriers dazwischen, ist es kaum abzustreiten, dass sich diese auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück gehen.
Maßstäblich ist hier eine Verlängerung und Verschmelzung der Mittelfußknochen zum Laufbein der Vögel, zusammen mit einer starken Verkürzung des Oberschenkelknochens.
Dieses ist auch teilweise bei Nichtvogel-Theropoden zu erkennen:


Abbildung 7: Rechte Hinterläufe von Alectrosaurus, einem Theropoden aus der Oberkreide (Gilmore 1933)

Abbildung 8: Skelett von Compsognathus, einem kleinen Theropoden aus dem Oberjura vor etwa 150 Millionen Jahren (von Zach Tirrell unter cc)

Fußnoten

1. Klassischer Weise werden wir Säugetiere sogar von der Gruppe der Synapsida ausgenommen. Dadurch wird Synapsida dann auch zu einem Paraphylum.

Quellen:

Conway, John: http://jconway.deviantart.com/ Zugriff: 13.2.2012

Gilmore C. W.: Dinosaurian fauna of the Iren Dabasu Formation. Bulletin of the American Museum of Natural History 67:23-78. (1933)

Langer, Max C. (2004) “Basal Saurischia“, chapter 2 in Weishampel, David B. et al. (2004) The Dinosauria (2nd edition)

Huxley, Thomas Henry: Professor Huxley’s Lectures II. Popular Science Monthly Volume 10 December 1876 (1876). http://en.wikisource.org/wiki/Popular_Science_Monthly/Volume_10/December_1876/Professor_Huxley%27s_Lectures_II

Martinez, Ricardo N. et al. (2011) “A Basal Dinosaur from the Dawn of the Dinosaur Era in Southwestern Pangaea“, Science 331(6014): 206-210

Nesbitt SJ, Norell MA:Extreme convergence in the body plans of an early suchian (Archosauria) and ornithomimid dinosaurs (Theropoda).Proc. R. Soc. B 7 May 2006 vol. 273 no. 1590 1045-1048

Norman, David B. et al. (2004) “Basal Ornithischia“, chapter 14 in Weishampel, David B. et al. (2004) The Dinosauria (2nd edition)

Talk Origins: http://www.talkorigins.org/faqs/comdesc /section3.html

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Tiktaalik: Wie findet man eine Übergangsform?


Anfang des Monats habe ich in einem Forum einen Beitrag gelesen, der, nach Angaben des Erstellers, eine Kopie eines Wachturmartikels ist. Leider konnte ich den Ersteller des Beitrags nicht dazu bringen, mir auch die Ausgabe in der der Artikel erschienen ist, oder den Autor des Artikels zu nennen. Wenn das irgendjemand kann, wäre ich dankbar dafür, dieses mitgeteilt zu bekommen.

Der Artikel selber ist wenig bemerkenswert und besteht zu einem Großteil aus Quote-mining. Jedoch ist eine Aussage des Artikels durchaus beachtenswert:

Wenn die Evolution eine Tatsache wäre, müßte das Zeugnis der Fossilien einen allmählichen Übergang von einer Art in eine andere offenbaren, ganz gleich, welche evolutionstheoretische Variante allgemein anerkannt wird. Selbst Wissenschaftler, die das „punktualistische Evolutionsmodell“ vertreten und somit an schnellere Veränderungen glauben, räumen ein, daß jene Veränderungen vermutlich doch noch während vieler tausend Jahre vor sich gegangen seien.

Damit hat der Autor des Artikels recht. Die Evolutionstheorie macht hier eine Vorhersage, nämlich die, dass es Übergangsformen gibt. Genauer gesagt, sie sagt aus, dass jede Population, solange sie nicht kurz vor dem Aussterben ist, eine Übergangsform ist. Diese Übergangsformen müsste man auch im Fossilbefund finden.

Etwas weiter heißt es:

Würde die Evolution auf Tatsachen beruhen, wäre zu erwarten, daß der Fossilbericht Anfänge neuer Lebensformen erkennen ließe. Zumindest bei einigen Fossilien sollten sich Arme, Beine, Flügel, Augen sowie weitere Organe und Knochen im Entwicklungszustand befinden. Zum Beispiel müßte zu erkennen sein, daß die Flossen der Fische den Beinen der Amphibien immer ähnlicher wurden, ebenso die Kiemen den Lungen. Es müßte zu sehen sein, daß sich die vorderen Gliedmaßen der Reptilien in Flügel verwandelten, wie sie die Vögel haben, ihre hinteren Gliedmaßen in Beine mit Krallen an den Enden, Schuppen in Federn und Mäuler in Hornschnäbel.

Hier wird dieselbe Aussage nochmals wiederholt und um konkrete Beispiele bereichert. Und in der Tat ist das eine konkrete Vorhersage, die die Evolutionstheorie macht. Wenn sie stimmt, dann müssten wir Fossilien der Art finden, wie sie gerade genannt wurden. Fänden wir solche Fossilien, dann hätten wir einen Beleg der die Evolution stützt und eine direkte Schöpfung der rezenten Arten ausschließt.

Im folgenden Artikel möchte ich auf die erste Behauptung eingehen:

Zum Beispiel müßte zu erkennen sein, daß die Flossen der Fische den Beinen der Amphibien immer ähnlicher wurden

Neil Shubin beschreibt in seinem Buch Der Fisch in uns (leider besitze ich nur die deutsche Übersetzung und nicht das englischsprachige Original), wie er ein Fossil fand, welches genau diese Kriterien erfüllt.

Schauen wir uns die Vorderextremitäten der Lurche an, so sehen wir, dass diese aus einem Oberarmknochen, zwei Unterarmknochen (Elle und Speiche), dann einer Vielzahl von Handwurzelknochen, mehreren Mittelhandknochen und schlussendlich ebenfalls einer Vielzahl an Fingerknochen bestehen. Dieses Schema bezeichnet Shubin ebenso salopp, wie einprägsam, als “ein Knochen – zwei Knochen – Knöchelchen – Finger”. Und dieses Schema finden wir bei allen Tetrapoden, also allen Wirbeltieren mit Ausnahme der Fische.


Abbildung 1: Zeichnung verschiedener Tetrapodenextremitäten: 120 Salamander, 121 Schildkröte, 122 Krokodil, 123 Vogel, 124 Fledermaus, 125 Wal, 126 Maulwurf, 127 Mensch (Leche 1909)

Dieses Schema finden wir auch schon bei den ältesten uns bekannten Amphibium Ichthyostega, dessen Alter mit etwa 370 Millionen Jahren bestimmt wurde.

Abbildung 2: a) Rekonstruktion des Skeletts von Ichthyostega e) Vorderextremität von Acanthostega. hu = Humerus = Oberarmknochen, ra = Radius = Speiche, ul = Ulna = Elle g) Hinterextremität von Ichthyostega. ti = Tibia = Schienbein, fi = fibula = Wadenbein (Ahlberg & Milner 1994).

Wie gerade erwähnt sehen die Extremitäten der meisten Knochenfische deutlich anders aus. Hier befinden sich am Ansatz der Brustflossen, die als homolog zu unseren Armen/Vorderläufen zu sehen sind, viele Knochen. Daran schließt sich dann Knorpel und Flossenhaut an.

Wie aus der Formulierung “der meisten Knochenfische” schon zu ahnen ist, gibt es da eine rezente Ausnahme, nämlich die Lungenfische. Diese besitzen am Flossenansatz nur einen Knochen. Das heißt also, dass sie einen Oberarmknochen aufweisen.
Wir haben nun also schon den ersten Teil unseres “ein Knochen – zwei Knochen – Knöchelchen – Finger” Schemas.
Wie der Name dieser Fische schon andeutet, besitzen sie ebenfalls eine primitive Lunge. Das dieses beides bei diesen Tieren zusammen fällt, sollte uns zu denken geben.

1881 fand man dann in Quebec das Fossil eines Fisches der Eusthenopteron getauft wurde und auf ein Alter von etwa 385 Millionen Jahren bestimmt wurde. Dieser Fisch zeigte im Anschluss an einen Oberarmknochen, den er wie die Lungenfische besaß,zwei weitere Knochen. Er hatte also schon den “ein Knochen – zwei Knochen” Teil des “ein Knochen – zwei Knochen – Knöchelchen – Finger” Schemas und zwar eingebettet in eine Flosse.

An der gleichen Stelle in Grönland, an der in den 20er Jahren das älteste Amphibium Ichthyostega gefunden wurde, fand man im übrigen 1988 ein weiteres frühes Amphibium, welches aus etwa der gleichen Zeit stammt. Dieses Acanthostega genannte Tier hatte zwar den gleichen “ein Knochen – zwei Knochen – Knöchelchen – Finger” Aufbau seiner Extremitäten, wie alle anderen Tetrapoden, jedoch war an ihm interessant, dass seine Gliedmaßen nicht zur Bewegung an Land geeignet waren. Das führte zu der Hypothese, dass die ersten Tetrapodaextremitäten zum Klammern an den Untergrund, bzw. Pflanzen in flachen Gewässern genutzt wurden.

Abbildung 3: Extremitätenskelette von Zebrafisch, Lungenfisch, Eusthenopteron und Acanthostega (von oben nach unten) (Shubin 2008, S.46). Benutzt mit freundlicher Genehmigung von Kalliopi Monoyios.

Was nun fehlte, war ein Fisch, der ein frühes Handgelenk aufwies. Also einer, der die vielen Knöchelchen, die man ja auch schon in Eusthenopteron erkennen kann, in irgendeiner funktionellen Art mit den zwei Knochen verband. Und zwar in einer Weise, die noch kein vollständiges “ein Knochen – zwei Knochen – Knöchelchen – Finger” Schema ist. Da man wusste wie alt die frühsten Lurche waren (etwa 370 Millionen Jahre als) und wie alt die jüngsten Fische, die ein “ein Knochen – zwei Knochen” Schema aufwiesen (385 Millionen Jahre) waren, wusste man, wie alt die Gesteine waren, in denen man suchen musste. Nämlich zwischen 385 Millionen Jahren und 370 Millionen Jahren alt. Außerdem wusste man, dass Fossilien am besten in Sedimentgesteinen langsam fließender Gewässer entstehen und dass alle relevanten Fossilien im Bereich Grönland und Nordamerika gemacht wurden. Mit diesem wissen konnte man einen Bereich suchen, wo genau solche Gesteine an der Oberfläche frei lagen. Diesen fand man auch im Nordosten Kanadas in dem Nunavut-Territorium.
Wie vorhergesagt, konnte nach einigen Jahren der Suche, im Jahr 2004, dann auch genau so ein Fisch gefunden werden, wie man suchte. In Abstimmung mit den Einwohnern der Nunavut-Territoriums wurde dieser Fisch Tiktaalik, was soviel wie großer Brackwasserfisch bedeutet, genannt.

Abbildung 4: Brustflosse von Tiktaalik roseae a) in dorsaler (von "oben") und b) in ventraler (von "unten") Ansicht (Shubin et al. 2006).

Wie man im obigen Bild sieht, schließt sich an einen der zwei Knochen des “ein Knochen – zwei Knochen” Systems, der unserer Elle entspricht, ein kleiner würfelförmiger Knochen an. Dieser trägt an Ende ein Gelenk, an dem vier weitere Knochen anschließen können. Es ist ein primitiver Handwurzelknochen und damit Teil eines primitiven Handgelenks, also genau das, wonach Shubin mit seiner Arbeitsgruppe gesucht hatte.

Wir können also, genau so, wie vorhergesagt und von Deinem Artikel gefordert, erkennen, “daß die Flossen der Fische den Beinen der Amphibien immer ähnlicher wurden”.

Schön ist hier, dass, der Rechtschreibung nach, der Wachturmartikel vor der Rechtschreibreform von 1996 geschrieben wurde. Diese spezielle Vorhersage die in ihm über die Evolution getätigt wurde, konnte dann 2004 bestätigt werden. Dadurch stützt der Wachturmartikel in schöner Weise, wenn auch wahrscheinlich unfreiwillig, die Evolution.

Quellen:
AHLBERG, PER E & MILNER, ANDREW R: The origin and early diversification of tetrapods. Nature 368, 507 – 514 (07 April 1994)

LECHE, WILHELM: MÄNNISKAN HENNES UPPKOMST OCH UTVECKLING, , Aktiebolaget Ljus, Stockholm 1909. Centraltryckeriet, Stockholm 1909. (http://runeberg.org/lecheman/0102.html Zugriff 20.1.2012)

SHUBIN, NEIL H; DAESCHLER, EDWARD B & JENKINS, FARISH A Jr:The pectoral fin of Tiktaalik roseae and the origin of the tetrapod limb. Nature 440, 764-771 (6 April 2006)

SHUBIN, NEIL H: Der Fisch in uns: Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers.Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 2 (6. Mai 2008), ISBN-13: 978-3100720047 ( http://tiktaalik.uchicago.edu/book.html)

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Zitat zu Karfreitag


Nachdem ich, dank unerwartet langer Umbauten in meiner Wohnung, meinen Desktop-Rechner nicht nutzen konnte, ist hier nun ein Zitat, welches viele bestimmt schon kennen werden. Ich musste letztens aber daran denken, also:

Debating creationists on the topic of evolution is rather like trying to play chess with a pigeon; it knocks the pieces over, craps on the board, and flies back to its flock to claim victory.

Scott D. Weitzenhoffer

Übersetzung:

Mit Kreationisten über das Thema Evolution zu diskutieren, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen; sie wirft die Figuren um, macht auf das Brett und fliegt dann zurück zu ihrem Schwarm um den Sieg zu beanspruchen.

Scott D. Weitzenhoffer

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Kreationisten Fragen, Äffchen antworten: Lebende Fossilien & Selektiver Druck


Hier ist die Antwort, welche ich vor ein paar Jahren, auf eine Frage über die Existenz von Lebenden Fossilien, die ja oft als Argument gegen Evolution angeführt werden, beschäftigt.

Ich hätte da mal eine frage und zwar jetzt mal unbedeutend ob es einen gott gibt oder einen darwin oder was auch immer für eine meinung und zwar: warum verändern sich einige lebewesen stark und andere nicht also intellligenz z.b. es gibt ja noch heute lebewesen die es schon seit es den planet gibt, gibt. und die sind nicht gerade immer von großem intelekt. oder andere merkmale rein in der veränderung des körpers da wäre ein beispiel der hai der ja nur leben kann wenn er sich bewegt das ist ja nicht immer perfekt!
[...]
warum verändern sich einige lebewesen stark und andere nicht

Quelle

Hier spielen 2 verschiedene Effekte rein.

1. Zum einen sind viele Veränderungen gar nicht offensichtlich. Wenn man zB von ‘lebenden Fossilien’ spricht, meint man ja Tiere die sich äußerlich kaum von ihren Vorfahren vor Millionen von Jahren unterscheiden. In der Aussage liegt auch direkt der Hund begraben. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum, können aber Anpassungen durchgemacht haben, die sich nicht auf die Morphologie auswirken.
Es ist zum Beispiel sicher, dass das Immunsystem eines heutigen Pfeilschwanzkrebses sich stark von dem seiner fossilen Vorfahren unterscheidet.

2. Zum anderen gibt es den sogenannten ‘Selektiven Druck’. Dieser Selektive Druck ist nichts anderes als der Einfluss der Umwelt auf einen Organismus bzw. auf eine Population.
Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas unanschaulich, ist aber recht einfach zu erklären.
Stell Dir einfach mal einen großen See vor. Die Fische darin haben genug Sauerstoff und genug zu fressen und fühlen sich deshalb pudelwohl.
Eine Veränderung ihres Bauplans würde ihnen keine Vorteile, sondern uU sogar Nachteile bescheren. Man sagt dann, das der Selektive Druck auf sie gering ist.
Jetzt entsteht aber zwischen diesen See und dem Meer ein neues Gebirge. Als Folge davon fällt in der Gegend des Sees weniger Regen und der See beginnt auszutrocknen. Wie man ja weiß, haben kleine stehende Gewässer weniger Sauerstoff als große, welche uU auch noch von Flüssen und Bächen gespeist werden. Durch den sinkenden Sauerstoffgehalt eignet der See sich aber immer weniger als Lebensraum für unsere Fische, sie beginnen langsam zu sterben und wenn nichts passiert werden die Fische in den Teich auch aussterben. Der Selektive Druck auf die Fische hat sich nun stark erhöht und die Fische brauchen nun, um nicht auszusterben, eine Änderung ihres Bauplans.
Stell Dir nun weiter vor, dass einige Fische eine Ausstülpung in ihren Darm haben. Das wäre normalerweise ein Nachteil, da sich dort zB Nahrung festsetzen kann. Allerdings beschafft es dem Darm auch eine größere Oberfläche die geschluckte Luft absorbieren kann. Diese Fische hätten also in unserem Teich nun einen starken Vorteil gegenüber ihren Artgenossen ohne diese Ausstülpung und deshalb werden irgendwann die meisten Fische des Teiches solch eine Ausstülpung haben.
Du siehst also, dass eine stabile Umwelt durch einen niedrigen Selektionsdruck die Erhaltung eines Bauplans begünstigt, während eine sich verändernde Umwelt auch die Änderung eines Bauplans begünstigt.

P.S.
Haie müssen nicht immer schwimmen, um nicht zu ersticken.
Hier sieht man z.B. einen Hai, der sich nicht bewegt und aktiv atmet.

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Des Höflings Antwort


Das ist eine Übersetzung vn PZ Myers “Courtier’s Reply” Ich habe die jetzt erst einmal hier herein gesetzt, damit andere sie durchsehen können. Es kann aber gut sein, dass sie hier wieder gelöscht wird, um an einer anderen Stelle gepostet zu werden.

Die Antwort des Höflings ist eine satirische Erwiderung auf Stimmen, die Atheisten vorwerfen, in ihr Argumentation gegen die Existenz von Göttern die Schönheit, oft sehr arkaner, theologischer Argumente zu ignorieren. Sie spielt hierbei auf das Märchen “Des Kaisers neue Kleider” an.

Verschoben, siehe unten stehenden Link

Update:
Ich habe die Übersetzung nun in die Pharyngula-Wiki eingestellt:

http://pharyngula.wikia.com/wiki/The_Courtier%27s_Reply,_translations

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Ich war poetisch :D


Da ich die Tage wenig Zeit habe, ist hier eine Antwort, die ich jemanden gab, der mir sagte, dass Evolution falsch sei, würde dadurch bewiesen, dass die Schöpfung für jeden sichtbar wäre. Man müsse sich nur mal umschauen.

Ich sehe wie die Jahreszeiten vergehen. Ich seh’ wie Kinder geboren werden und zu Erwachsenen werden. Ich seh’ auch wie Erwachsene zu Greisen werden und schließlich sterben. Ich sehe wie Pflanzen wachsen und vergehen. Ich sehe wie neue Gebäude gebaut werden und alte abgerissen werden. Ich sehe wie aus Fremden Freunde werden und wie Freunde sich entzweihen.
Kurz gesagt, ich sehe Veränderung.

Ich sehe aber nicht, dass es immer Sommer ist. Oder, dass Erwachsene schon spontan als Erwachsene entstehen und nie altern. Ich sehe nicht, dass ein Baum plötzlich irgendwo steht und, dass dieser nie Wächst oder seine Blätter verliert. Kurz gesagt, ich sehe nicht, dass plötzlich irgendetwas da und es sich dann nie ändert.

Ich bin da die Tage nochmal drüber gestolpert und mir gefällt die Antwort immer noch sehr gut.

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Interessantes Video: Evolution – ein blinder Uhrmacher


Viele von Euch werden dieses Video bestimmt schon gesehen haben. Es bezieht sich auf die Uhrmacher-Analogie von William Paley.

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“Here comes science” -eine Musikvorstellung


Letztens habe ich durch Zufall mitbekommen, dass die Band “They Might Be Giants” ein Album heraus gebracht haben, welches “Here comes science” betitelt ist.

Neugierig wie ich bin, habe ich deren homepage mir angesehen und bin so auf deren youtube-Kanal gestoßen, wo sie einige der Lieder dieses Albums mit zugehörigen Video zeigen.
Die Leider sind zwar sicherlich für jüngeres Publikum gedacht, jedoch haben sie mir so gut gefallen, dass ich hier zwei Videos zeigen möchte.

Da erste ist, passend zum blog, “my brother the ape”:

Das zweite ist, passend zum Wetter, das schön rockige “Why does the sun shine?”

Schade, dass es sowas nicht auf Deutsch gibt. Es ließe sich sicherlich gut im naturwissenschaftlichen Unterricht in den Schulen einsetzen.

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Der “shill gambit”


In diesem Artikel möchte ich mal etwas vom Thema des blogs abweichen.
Grund dafür ist, dass ich in letzter Zeit in Diskussionen wieder öfter gelesen habe, wie aus einigen Kreisen den Mitdiskutanten, welche eine andere Position vertraten, vorgeworfen wurde auf der Gehaltsliste einer mächtigen Lobby zu stehen und für diese zu lügen.
Der blogger ORAC hat das schon vor 5 Jahren in seinem exzellenten blog behandelt und, da dieses oft im Zusammenhang mit der Pharmaindustrie geschieht, dieser Vorgehensweise den Namen “pharma shill gambit” gegeben.
Leider konnte ich keinen deutschsprachigen Artikel darüber finden, den ich bequem hätte linken können. Deshalb habe ich mich entschieden selber kurz auf den “shill gambit” einzugehen.

Ein Beispiel für dafür ist z.B.folgende Antwort, die ich auf meine Warnung davor Rohrreiniger zu trinken bekam:

Hier sind eindeutig einige, die der Pharmaindustrie zugehörig sind. Es ist sogar bekannt, dass die Pharmaindutrie das gesamte Internet nach Negativberichten durchforsten läßt und entsprechende “Scheinuser” dagegen einsetzt. usw. usw.

Quelle

Ähnlich wie bei der reductio-ad-Hitlerum wird hier versucht eine Auseinandersetzung auf argumentativer Ebene zu vermeiden und dafür den Mitdiskutanten zu diskreditieren. Anstatt dies, wie bei der reductio-ad-Hitlerum zu tun, indem man den Mitdiskutanten in die Nähe einer unmoralischen Ideologie stellt, wird bei dem “shill gambit” der Mitdiskutant diskreditiert indem ihm ohne weitere Belege vorgeworfen wird aus finanziellen Interessen heraus zu lügen.

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Hoyles Fehlschluss


Oder von der Unmöglichkeit das Wort “Gardinenstange” beim Galgenmännchen zu erraten – Teil 2

Vor gar nicht all zu langer Zeit lebte in einem nicht all zu entfernten Königreich ein weiser Astronom, den alle Welt Fred Hoyle nannte.
Da dieser Rittersmann nicht glauben konnte, dass das Leben auf dieser Erde entstanden sein konnte, machte er das, was Astronomen gut beherrschen – er rechnete. Er nahm dafür an, dass ein kurzes Protein, wie man es heutzutage findet etwa 300 Aminosäuren lang ist und berechnete dann die Wahrscheinlichkeit dafür, dass aus einer Lösung aller möglichen Aminosäuren eine gewisse Anzahl (oft wird da 400 genannt) dieser kurzen Proteine spontan entsteht. Dabei kam er auf eine Wahrscheinlichkeit von 1.10-40.000. Es ist leicht einzusehen, dass das selbst bei einem etwa 15 Milliarden Jahre alten Universum die spontane Entstehung von Leben so gut wie unmöglich macht.
Als die dunkle Bruderschaft der Kreationisten dieses vernahm war die Freude groß, denn nun hatten sie ein handfestes mathematisches Argument, welches, ihrer Meinung nach, die Evolution widerlegte und dieses Argument kam sogar von einem echten Wissenschaftler.

Da der dieser Artikel die Überschrift “Hoyles Fehlschluss” trägt, ist es naheliegend, dass Hoyle auch einen Fehler bei seiner Überlegung gemacht hatte. Aber was ist denn nun dieser Fehler?
Nunja, streng genommen sind es mehrere Fehler:

Das erste Problem ist das, was an anthropisches Prinzip nennt. Kurz gesagt bedeutet das, dass wenn wir nicht hier wären, wir uns auch keine Gedanken über unsere Existenz machen könnten. Wenn die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben wirklich so gering wäre wie Hoyle das errechnete (und das ist zweifelhaft), dann hätten wir vielleicht einfach unglaubliches Glück gehabt, während in unzähligen Milliarden anderer Universen vielleicht kein Leben entstanden ist und sich folglich auch niemand darüber Gedanken machen könnte.

Ein weiteres Problem ist, dass Hoyle von einem modernen Organismus mit modernen Proteinen ausgeht. Gut, er nimmt einen der einfachsten (zu mindestens, wenn es um die Größe der Proteonoms geht) Organismem (nämlich Mycobacterium genetalium) und die kürzesten modernen Proteine an, aber er nimmt dennoch moderne Proteine und einen modernen Organismus an. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die ersten Organismen noch einfacher waren, also weniger und kürzere Proteine besaßen.

Der nächste Fehler in der Überlegung ist, dass Hoyle annahm, dass es für ein beliebiges Protein nur eine einzige Abfolge von Aminosäuren gäbe, welche dem Protein die benötigte Funktion geben würde. Es ist jedoch so, das nur an sehr wenigen Stellen eines Proteins wirklich eine bestimmte Aminosäure stehen muss, damit das Protein Funktion hat. An den meisten Stellen genügt es, wenn die Aminosäure eine bestimmte Eigenschaft aufweist, wie z.B. eine bestimmte Ladung oder eine bestimmte räumliche Struktur (eine bestimmte Sterik). An manchen Stellen ist es sogar völlig egal, welche Aminosäure dort steht.

Der meiner Meinung nach aber schwerwiegendste Fehler, den Hoyle machte war aber, dass er die Wahrscheinlichkeit errechnete, mit der diese Proteine spontan und zufällig aus einer Lösung aller Aminosäuren entstehen. Das behauptet jedoch auch niemand.Viel mehr nimmt man an, dass das erste Leben schrittweise entwickelt hat. Selbstorganisation ist in der Natur beobachtbar (z.B. bei Mizellen), ebenso wie Replikation einiger Eigenschaften (z.B. bei einigen Tonerden). Es ist also naheliegend, dass ein Prozess, der in einigen Aspekten der biologischen Evolution ähnlich ist, schrittweise zu den ersten Zellen geführt hat.

Das bringt uns zu dem “Gardinenstange”-beim-Galgenmännchen-erraten Beispiel, welches ich in meinem vorletzten Artikel gemacht habe. Niemand würde, wenn er Galgenmännchen spielt wahllos irgendwelche Buchstabenkombinationen nennen.

Vielmehr rät behält man die Buchstaben, welche richtig erraten wurden und rät nur mit den noch nicht erratenen Buchstaben weiter. Man nährt sich also schrittweise dem richtigen Wort an, anstatt wild ganze Buchstabenkombinationen der gewünschten Länge in den Raum zu werfen.

Ein weiterer Fehler kommt dann oft von Kreationistenseite, indem Evolution, also die Veränderung der Arten, und die Entstehung des Lebens, also die Abiogenese, in einen Topf geworfen werden. Hoyles Fehlschluss ist ein fehlerhaftes Argument gegen die Abiogenese, jedoch keines gegen Evolution. Diesen Fehler hat aber, meines Wissens nach, Hoyle selber nie gemacht.

P.S. das oft gehörte Argument “Wenn ein Tornado durch einen Schrottplatz weht wird nie eine Boing 747 entstehen” ist eine Variation von Hoyles Fehlschluss.

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